Der Wettlauf zur KI

Der Unternehmer Leonard Schmedding hat in einem Video, das er bei einem Besuch in Shenzhen in China aufgenommen hat, ein düsteres Szenario beschrieben. Darin sagt er, dass Europa den technologischen Wettlauf in Bezug auf die künstliche Intelligenz bereits verloren hat und den Vorsprung Chinas und der USA nicht mehr aufholen kann. Das hat zur Folge, dass Europa auch die Produktivität Chinas und der USA nicht erreichen kann und deshalb mit billigen Gütern überschwemmt werden wird.

Ich muss ihm da recht geben. Europa und ganz besonders Deutschland, haben lange von oben herab auf den Rest der Welt geschaut und nicht begriffen, dass sie immer mehr Güter aus China importieren mussten, die sie selbst gar nicht mehr herstellen können. Ich habe es selbst erlebt, wie Ingenieure in Deutschland nach dem Studium auf das Abstellgleis geschoben wurde und sich als Freelancer von einem Billigauftrag zum nächsten retten mussten. Gleichzeitig haben die Leute, die junge Ingenieure aufs Abstellgleis geschoben haben damit geprahlt, dass Deutschland Exportweltmeister ist, während die meisten Menschen immer mehr billige Produkte >>Made in China<< in den Supermärkten gekauft haben. Heute sind wir in Deutschland so weit, dass wir uns nach der guten alten Zeit sehnen. Wir sind mittlerweile so wahnsinnig, dass wir den Fehler des 2. Weltkrieges gerne wiederholen möchten und es kaum noch erwarten können, Russland anzugreifen. Es ist eine Schande. Warum machen wir das? Krieg kurbelt die Wirtschaft an, wenn nichts mehr weiter geht und man kann am Leid Anderer noch das letzte Geld verdienen. Aber muss das wirklich sein?

Ich hätte da einen etwas intelligenteren Vorschlag. Meiner Ansicht nach ist es nicht besonders klug, China und den USA nachzulaufen und ein eigenes, noch größeres KI-Modell zu bauen und unsere Energie in ein KI-Wettrüsten zu stecken. Ich schlage da einen anderen Weg vor:

Wir könnten in Europa auch versuchen, mit vielfältigen, einfachen, spezialisierten und energiesparenden KI-Modellen zu arbeiten. Diese KI-Modelle sollten wenig Hardware brauchen, Spezialaufgaben übernehmen und schnell sein. Der menschliche Körper hat schließlich auch nicht in jedem Organ ein komplettes Gehirn, sondern besitzt überall verteilt spezialisierte und schnelle Nervenknoten. Einige dieser Nervenknoten können Denkleistungen übernehmen, andere wiederum führen nur Regelkreise aus. Das spart Ressourcen und Energie und ist schnell und effizient. Wichtig ist, dass wir funktionierende Maschinen haben und nicht nur die größten digitalen Schlachtschiffe bewegen. Dazu müssten wir aber von unserem hohen Ross heruntersteigen und die Probleme endlich auf ehrliche Weise angehen. Jeder einzelne wird darüber klar werden müssen, was er oder sie im Leben möchte. Vielleicht könnte die Betrachtung über einen Weg zur Selbstbestimmung dabei helfen. Dann wissen wir auch, was unsere Maschinen können sollen und können diese dann entsprechend konstruieren – auch mit Unterstützung spezialisierter KI.