Medical Gaslighting

Ganz am Anfang möchte ich einen Gedanken in den Raum stellen, der bei allen Überlegungen in der Medizin berücksichtigt werden sollte: Der menschliche Körper ist eine perfekt konstruierte Überlebensmaschine, die darauf ausgelegt ist, keinem Raubtier irgendwelche Krankheitssymptome zu zeigen. Der Körper will gesund und schön sein und hat ein erhebliches Potential sich stabil zu regeln und zu reparieren. Krankheitssymptome haben immer eine physikalische, chemische oder biologische Ursache. Regelkreise des Körpers, die über das gesunde Maß hinausschießen, sind stets Versuche des Körpers, die zu Grunde liegenden Ursachen zu kompensieren. Der Körper will überleben und wird in bedrohlichen Situationen Jahrmillionen alte und bewährte Programme abrufen und schnell handeln, selbst wenn dies langfristig weitere Schäden nach sich zieht. Hier ist immer danach zu fragen: Warum macht der Körper das, was er macht?

Ich möchte in diesem Artikel meine Gedanken zum Thema „Medical Gaslighting“ zusammenfassen und Lösungswege für betroffene Patienten aufzeigen. Gleichzeitig möchte ich keinesfalls alle Ärzte in einen Topf werfen und ihnen eine Absicht unterstellen, ihre Patienten zu manipulieren. Andererseits möchte ich das Verhalten der Ärzte nicht gutheißen, die die Beschwerden ihrer Patienten als Einbildung abtun. Ich denke, dass die überwiegende Mehrzahl der Ärzte ihren Beruf aus der inneren Leidenschaft heraus ausüben, Menschen zu helfen. Gleichzeitig wird unser Gesundheitssystem seit Jahrzehnten kaputtgespart. Ärzte haben kaum Zeit, sich mit ihren Patienten zu beschäftigen und können in der kurzen Zeit, die ihnen für einen Patienten zugeteilt wird, gar keine umfassende Diagnose stellen. Vielleicht protestieren manche Ärzte, Angesichts der unverschämten Kürzungen im Gesundheitssystem, indem sie Dienst nach Vorschrift machen. Den Patienten hilft das alles aber nicht weiter, denn sie leiden und wollen nur eines: gesund werden.

Am Anfang möchte ich kurz definieren, was „Gaslighting“ ist. Der Begriff stammt aus dem Theaterstück „Gas Light“ des britischen Autors Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938. Darin versucht ein Mann, an das Vermögen seiner Frau zu kommen, indem er versucht, sie durch Manipulation zu verunsichern. Dazu behauptet er, reale Dinge nicht zu sehen, die seiner Frau auffallen, wie zum Beispiel die wechselnde Helligkeit des Gaslichtes. Irgendwann beginnt seine Frau, an ihrem Verstand zu zweifeln und befürchtet, verrückt zu werden.

Analog dazu ist „Medical Gaslighting“ zu sehen. Hier hat der Patient meist unklare Beschwerden, die sich der Arzt aber nicht erklären kann. Viele Diagnoseverfahren ergeben, dass der Patient bei bester Gesundheit ist und selbst Ergebnisse aus Untersuchungen, die von Normwerten abweichen, werden als unbedeutend abgetan. Sollte der Patient selbst Erkenntnisse über seine Beschwerden erlangen, zum Beispiel durch die Beobachtung von Korrelationen zwischen Beschwerden und Essen, wird dies vom Arzt ignoriert. Irgendwann sagt der Arzt dem Patienten, dass dies nur am Stress liegt und dass der Patient sich nicht so aufregen soll. Selbst wenn der Patient in lebensbedrohliche Lagen gerät, wird der Arzt dies Ignorieren, als ob nichts passiert wäre. Da der Patient mit der Zeit immer verzweifelter wird und seine Beschwerden nicht mehr klar voneinander abgrenzen kann und sie deshalb immer diffuser formuliert, verselbständigt sich die Situation so weit, bis der Patient irgendwann gar nicht mehr zum Arzt geht. Ich selbst kenne Medical Gaslighting sehr gut und wenn man als Patient Schmerzen hat und durch die Schmerzen bereits kaum in der Lage ist, klar zu denken, ist Gastlighting in dieser Situation wirklich brutal. Deshalb ist es so wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Ausweg aus dem Gaslighting
In Deutschland ist die Situation etwas schwierig, da man hier an seinen Hausarzt gebunden ist. Man kann nicht einfach so den Hausarzt wechseln, weil die meisten Arztpraxen keine neuen Patienten aufnehmen, die bereits einen Hausarzt haben.  Mit diffusen Beschwerden ins Krankenhaus zu gehen bringt auch nichts, weil die Ärzte Patienten ohne ordnungsgemäße Überweisung vom Hausarzt nicht ernst nehmen. Besteht der Patient auf eine Einweisung ins Krankenhaus, wird der Hausarzt auf dem Überweisungsschein zusätzlich psychosmatische Ursachen als Überweisungsgrund schreiben. Das bedeutet, dass die Ärzte im Krankenhaus dem Patienten auch nicht ernst nehmen und lediglich Standarduntersuchungen durchführen, um rechtlich abgesichert zu sein.

Der einzige Weg, hier aus dem Gaslighting heraus zu kommen, ist meiner Erfahrung nach das ehrliche und konsequente Führen eines Notizbuches in gebundener Form und akribische naturwissenschaftliche Arbeit. Das Notizbuch wird nicht aus der Hand gegeben und auch nicht erwähnt. Beobachtungen, Laboranalysen und Recherchen in der Fachliteratur, werden nach naturwissenschaftlichen Prinzipien durchgeführt, so wie ich es bereits auf dieser Homepage beschrieben habe. Des Weiteren sollten auch die Beipackzettel sämtlicher regelmäßig eingenommenen Medikamente genau studiert werden und die wesentlichen Informationen zusammengefasst werden, so dass sie schnell verfügbar sind. Hier ist es wichtig, gründlich und ehrlich zu sich selbst zu sein. Der Patient, der von Medical Gaslighting betroffen ist, muss wie eine Detektiv in eigener Sache ermitteln. Das kann unter Umständen Jahre dauern, aber die Ermittlungsarbeit ist auch eine Stütze, um nicht irgendwann zu verzweifeln und willenlos zu werden. Man kann sich bei Medical Gaslighting auch Hilfe suchen, allerdings habe ich die letzten Jahre dabei keine guten Erfahrungen gemacht. Eine Stelle, die bei Medical Gaslighting echte Hilfe anbieten würde, bräuchte fähige Fachleute, die sich dann in medizinischen Kreisen extrem unbeliebt machen würden und auch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssten. In Deutschland besetzen die meisten Leute eine Arbeitsstelle und machen dort mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift. So, wie ich das bildhaft beschreibe, wird bei sehr vielen Menschen das Gehirn morgens vor dem Weg zur Arbeit in der Wohnung an der Garderobe abgegeben und erst nach Feierabend, vor der Tagesschau im Fernsehen wieder in den Kopf eingesetzt, um dann neu mit Informationen formatiert zu werden. Deshalb ist die wichtigste Grundlage für betroffene Patienten Selbsthilfe. Die Naturwissenschaft, die nach den hier beschriebenen Prinzipien arbeitet, ist unbestechlich, geduldig und ehrlich. Sie ist ein guter, zuverlässiger Freund.

Gibt es auch eingebildete Beschwerden? Ich würde mal frech behaupten: Nein – zumindest nicht Dauerhaft. Es gibt Angst- und Stressreaktionen, die nach einem Trauma zurück bleiben, aber die kann man sich langsam abtrainieren. Die eigenen Sinne können auch einer Illusion unterliegen, aber eine Illusion ist nicht von Dauer. Der Körper wird immer versuchen, diese Angstreaktionen in Schutzreaktionen umzuwandeln und nicht Symptome aufzubauen, die Raubtieren Appetit machen. Echte Beschwerden hingegen, wie zum Beispiel Karies in einem Zahn, kann man sich nicht abtrainieren. Die Karies bleibt, auch wenn man noch so viel meditiert und sich die Karies noch so schön redet. Ich habe selbst in meinem Freundeskreis stark psychisch kranke Menschen erlebt. Selbst deren körperliche Symptome hatten, im Nachhinein betrachtet, körperliche Ursachen wie Gewalt, Infektionen oder, in einem Fall sogar Kaliummangel, der dann in der kardiologischen Intensivstation endete. Erst nach einem Herzstillstand mit erfolgreicher Reanimation haben die Ärzte die Patientin ernst genommen.

Yoga
Yoga ist eine indische Lebensphilosophie die dabei helfen kann, die Gedanken zur Ruhe zu bringen und das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wieder herzustellen. Das wichtigste Buch, auf dem Yoga aufbaut, ist das Yogasutra von Patañjali. Yoga betrachtet Acht Aspekte des menschlichen Lebensweges:
Yama (Äußere Ordnung)
Niyama (Innere Ordnung)
Asana (körperliche Disziplin)
Pranayama (Kontrolle des Atems)
Pratyahara (Rückziehen und Beherrschung der Sinne)
Dharana (Konzentration)
Dhyana (Meditation)
Samadhi (Versenkung, All-Einheit, Verwirklichung des höheren Selbst)

Beim Yoga geht es darum, am Umgang mit sich selbst zu arbeiten und alle Aspekte des Lebens miteinander zu verbinden. Dazu gibt es viele Übungen, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden. Die Arbeit am bewussten Umgang mit sich selbst, führt zu einer Festigung der eigenen Persönlichkeit und hilft, klare Gedanken zu fassen und Gewohnheiten zu erkennen und zu hinterfragen. Auch das kann gegen Gaslighting helfen, weil der Kontakt des Bewusstseins zum Selbst, den eigene körperliche Erfahrungen und den eigenen Sinneseindrücke die Anbindung zur äußeren und inneren Wirklichkeit stärken, ohne dass andere Menschen hier einwirken. Wichtig beim Yoga ist, dass alle Aspekte des Pfades gleichzeitig gepflegt werden. Wer sich zum Beispiel nur auf Meditation oder nur auf Körperübungen beschränkt, kann unter Umständen ernsthafte körperliche Symptome oder eigene schlechte Gewohnheiten ignorieren und schön meditieren. Dieser Fehler ist mir damals passiert.

Um Yoga zu praktizieren ist es sinnvoll, sich einen Yogalehrer über die entsprechenden Berufsverbände zu suchen, z.B. über den Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V. Ein guter Yogalehrer wird seinen Schüler in seinem Wachstumsprozess fördern und ihn keinesfalls abhängig von sich machen. Mein Yoga-Lehrer hatte mir vor vielen Jahren den Weg des Yoga vorgestellt. Er hat mir auch gezeigt, wie der Yoga-Weg trotz schwerer Krankheit die Lebensqualität ermöglicht. Leider konnte er mich nicht lange auf dem Weg begleiten, da er in hohem Alter viel zu früh verstorben ist. Ich erinnere mich aber noch, wie erstaunt ich war, als er mir im Alter von über 80 Jahren zeigte, dass er trotz überstandener Krebserkrankung wieder einen Kopfstand machen konnte. Ich weiß, dass mit Yoga viel möglich ist, aber dass Yoga nicht dazu benutzt werden darf, um die Wichtigkeit der Suche nach den wahren Ursachen zu überdecken.

Als literarische Grundlage verwende ich persönlich das Buch Sriram, R: Patañjali – Das Yogasutra. Von der Erkenntnis zur Befreiung. Einführung, Übersetzung und Erläuterung von R. Sriram. Theseus Verlag. Stuttgart, 2006. In diesem Buch wird das Yogasutra schön und anschaulich erläutert, während gleichzeitig seine wörtliche Bedeutung ohne Wertung stehen gelassen wird.

Fazit
Warum schreibe ich das alles? Ich möchte Patienten dazu ermutigen, sich selbst zu helfen und trotz allem mit ihren Ärzten zusammenzuarbeiten und ihren Ärzten genau zuzuhören. Wie ein Detektiv bei einem Verhör, sollte der Patient aus allen Aussagen der Ärzte das Maximum an Informationen herauszuziehen. Gleichzeitig sollten Patienten darauf achten, nicht Scharlatanen auf den Leim zu gehen, die in den sozialen Medien viel Unsinn verbreiten, nur um dann Produkte zu verkaufen. Alle Informationen müssen naturwissenschaftlichen Standards genügen. Ärzte, die den Patienten in Form von Gaslighting psychische Gewalt antun, sind allerdings nicht vertrauenswürdig. Wenn es zu solchen Ärzten keine Alternative gibt, sollte ein Patient in Gegenwart des Arztes so denken, ein Detektiv, der keiner Aussage vertraut und die Informationen auf Konsistenz prüft und abgleicht.