Aufgrund der Sensitivitätsanalyse, die ich in meinem vorherigen Beitrag von Gemini vorstellen lassen habe, habe ich eine eigene Sensitivitätsanalyse angefertigt, die noch etwas weiter geht und die Faktoren beinhaltet, die Gemini nicht wissen kann. Des Weiteren habe ich die Analyse etwa näher an dem Buch von Professor Frederic Vester angelehnt und sie so durchgeführt, wie ich sie für meine Zwecke praktiziere. Ich möchte hier nochmals betonen, dass diese Sensitivitätsanalys keine medizinische Diagnose darstellt und auch keine Vorhersagen darüber machen kann, wie sie Systeme reagieren. Das Verhalten von komplexen Systemen ist nicht vorhersehbar, aber es hat Charakterzüge, die für dieses System typisch sind. In Sensitivitätsanalysen wir der Charakter eines Systems sichtbar, zum Beispiel, ob es gutmütig, träge ist oder temperamentvoll wie ein Formel 1 Rennwagen oder sogar Sprunghaft zu Eskalation neigt. Weiterhin wird sichtbar, durch welche Faktoren es getriggert werden kann, um zu Eskalieren und welche Faktoren lediglich Symptome darstellen.
Der Charakter eines Systems ist für ein komplexes System so etwas wie ein Fingerabdruck oder ein individuelles Gesicht. Ein System mit einem bestimmten Fingerabdruck kann unterschiedliche Dinge tun. Es kann ruhig sein, oder völlig ausflippen, ohne dass sich dabei der Fingerabdruck oder sein Gesicht ändert. Erst wenn Variablen ihre Position zueinander ändern oder wenn neue Variablen hinzukommen, ändert dieses System seinen Charakter, unter Umständen so stark, dass neue Wirkungsbeziehungen entstehen. Dann kippt das System und es entsteht ein neues System, dass dann danach strebt, wieder stabil zu werden. Hier ist wieder wichtig zu berücksichtigen: Ein stabiles System kann durchaus schleichend und zielstrebig stabil in die Selbstzerstörung rutschen, wenn es einen Systemfehler hat.
Ich habe die Analyse in eine Tabellenkalkulation des Programms Calc von LibreOffice geschrieben und eine Analyse durchgeführt, damit ich dann mit dieser Analyse verschiedene Szenarien durchgehen kann. Diese Analyse ist unter folgendem Link zu finden:
260811_Sensitivitaetsanalyse-Krankengeschichte_006
Das Ergebnis der Analyse sieht wie folgt aus:
Das System, das hier zu sehen ist, ist relativ stabil. Das bedeutet nicht, dass es gesund ist und keine Probleme hat. Es bedeutet, dass es zum jetzigen Zeitpunkt stabil ist. Wenn in diesem stabilen Zustand zum Beispiel eine Insulinresistenz vorliegt, bedeutet das, dass dieses stabile System schleichend in den Abgrund der Typ 2 Diabetes führt. Durch Präbiotika, Probiotika und Food Sequenzing habe ich ein mild wirksames Mittel, um das System zu beeinflussen, aber dieser Einfluss ist unter Umständen zu schwach, um die sich ankündigende Katastrophe aufzuhalten. Das hier vorliegende System ist ein stabiler Selbstläufer. Wie kann ich dieses System beeinflussen, so dass ich mehr Handlungsoptionen bekomme?
Angenommen, ich versuche die gezielte Bewegung zwingend abhängig vom Zeitpunkt des Essens zu machen, sprich, ich mache jedes mal gleich nach dem Essen einen 15 minütigen Verdauungsspaziergang. Ich fange die Blutzuckerspitze durch Muskelarbeit ab. Das würde das System ändern, weil ich eine neue Ursache-Wirkungs-Beziehung in das System installiere. Das Ergebnis würde hier wie folgt aussehen:
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Das Ergebnis der Analyse sieht wie folgt aus:
Das Ergebnis hiervon ist, dass die Ernährung für den Energiebedarf plötzlich systembestimmend wirksamer werden kann, was vorher nicht der Fall war. Vorher hat mir eine gesunde Ernährung nicht wirklich geholfen, jetzt kann die gesunde Ernährung ihre Wirkung besser entfalten. Die Gezielte Bewegung wird durch dieses Maßnahme zum stabilisierenden Faktor und steiger gleichzeitig ihre Wirksamkeit. Durch die Sensitivitätsanalyse wird deutlich, wie eine kleine Maßnahme den Charakter eines ganzen Systems ändern kann und die Wirkungsweise anderer Maßnahmen beeinflusst. Plötzlich wird eine Gesunde Ernährung wirksam, während sie davor lediglich ein krankes System stabilisiert hat.
Ich werde also den Langzeitblutzuckerwert beim Arzt messen lassen und setze dann die Maßnahme der gezielten Bewegung nach dem Essen konsequent um. Hier möchte ich nochmals betonen, dass Sensitivitätsanalysen KEINE ärztliche Diagnosemethode sind. Sensitivitätsanalysen beschreiben den Charakter eines Systems, nicht seinen Zustand. Den Zustand des medizinischen Systems bekommt man durch ärztliche Diagnostik und den Zustand eines technischen Systems bekommt man durch technische Diagnostik.
Systemfehler werden durch die Sensitivitätsanalyse nicht aufgedeckt, aber man bekommt über die Sensitivitätsanalyse die Variablen gezeigt, die man triggern kann um Systemfehler sichtbar werden zu lassen. Man bekommt zudem die Variablen gezeigt, an denen man die Symptome eines Systemfehlers erkennen kann. Hier sind typische Symptome wie Bluthochdruck, Systemische Entzündungen oder die Fettverdauung zu nennen. Die Behandlung dieser Symptome mag zwar andere Gefahren mildern, aber es ändert nichts am Fehler im System. Der Gesunde Lebensstil aber auch Medikamente wiederum sind kein Weg in die Heilung, sonder helfen lediglich, das fehlerhafte System zu stabilisieren, damit es nicht eskaliert. Das Darmmikrobiom ist kein stabilisierender Faktor sondern neigt eher zur Eskalation. Probiotika wiederum können das System des Darmmikrobioms bestimmen, aber diese Bestimmung des Mikrobioms ist künstlich von Außen zugeführt. Fallen die Probiotika weg, fällt die künstliche Stabilisierung des Mikrobioms ebenfalls weg. Wenn die Darmbakterien, die sich in der Darmschleimhaut eingenistet haben, Zucker aus dem Blut bekommen sollten, sind auf diese Weise zwei eskalierende Faktoren miteinander gekoppelt, was eine ungute Konstellation sein würde. Diese ungute Konstellation ist somit resistent gegen Darmaufbaukuren. Die Durchbrechung der Insulinresistenz und das Abfangen von Blutzuckerspitzen wären folglich eine wesentliche Maßnahme, um das System weiter zu stabilisieren.

