Das, was ich im Folgenden berichte beruht ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen aus einer 20 jährigen Leidensgeschichte. Mein Bericht beinhaltet keine gesicherte medizinische Diagnose, sondern nur Schlussfolgerungen, die ich aus meinen Beobachtungen ziehe. Zur Zeit befinde ich mich auf dem Weg der Besserung und hoffe, dass dieser Weg zur Heilung führt. Meine Schilderungen sollen keinesfalls einen Arztbesuch ersetzen – ganz im Gegenteil. Vielleicht hilft mein Bericht einem Patienten, bei seinem Arzt die richtigen Fragen zu stellen. Ich weiß, dass die Weitergabe von Erfahrungen oft das einzige sind, was Patienten in Not wirklich weiter hilft. Deshalb schreibe ich so offen über meine Erfahrungen.
Zuerst möchte ich kurz umreißen, was eine Dysbiose ist. Im menschlichen Darm existiert ein ganzes Ökosystem an Bakterien, die für die Verdauung der Nahrung lebensnotwendig sind. Dieses Ökosystem wird als intestinales Mikrobiom bezeichnet. Dieses bakterielle Ökosystem kann durch Erkrankungen, Fehlernährung oder Medikamente gestört werden. Ist das Mikrobiom im Darm gestört, kann die Nahrung nicht mehr richtig verdaut werden, Nährstoffe können nicht mehr richtig aufgenommen werden, die Darmschleimhaut wird geschädigt und das Immunsystem kann nicht mehr so arbeiten, wie es arbeiten soll. Die Bakterien im Darm stellen eine Vielzahl lebensnotwendiger Stoffe her, die so ziemlich überall eine wichtige Rolle spielen. Eine Dysbiose ist kein Spaß, bei dem einem nur mal ein Pups quer liegt. Es ist vielmehr eine Hölle, die irgendwann böse und über Folgeerkrankungen tödlich enden kann.
Meine Leidensgeschichte beginnt im Jahr 2004. Bis zu diesem Jahr war ich sportlich und gesund. Im Jahr 2004 erkrankte ich am Pfeifferschen Drüsenfieber. Ich wurde zuerst zwei Wochen lang mit dem Antibiotikum Ketek behandelt, was aber nicht wirkte. Als von einem anderen Arzt die Diagnose des Pfeifferschen Drüsenfiebers gestellt wurde bekam ich ein anderes Antibiotikum und das Schmerzmittel Diclofenac. Da ich nicht beliebig viele Tabletten davon nehmen durfte, zerkleinerte ich diese Tabletten und nahm sie wie ein Drogensüchtiger krümelweise ein, um die Schmerzen erträglich zu halten. Als ich wieder einigermaßen gesund war, sagte der Arzt zu mir: „Sie wissen schon, Sie hätten sterben können.“ Ab diesem Zeitpunkt war ich nie mehr wirklich gesund. In meinen Notizen aus dieser Zeit fanden sich Beschwerden wie Kopfschmerzen, ein hörbarer Puls, ein Brummton beim Pulsschlag, Druck in den Ohren, Herpesbläschen im Mund, ein knackendes Kiefergelenk, Geräusche der Halswirbel, Klopfen im Ohr, Enge in der Luftröhre, das Gefühl das etwas im Hals steckt, Schmerzen in Hals und Schultern, Druck auf der Brust, schleimiger Husten, leichte Schmerzen beim tiefen einatmen, Grundloser schneller Puls, Herzstolpern, Durchfall, Atemnot beim Treppensteigen, Benommenheit wie durch Alkohol, Herzklopfen beim Treppensteigen, Anfälle von Schwäche, Müdigkeit.
Aufgrund dieser Symptome erfolgten endlos viele Arztbesuche und Untersuchungen. Heraus kam nichts und eine Ärztin meinte irgendwann genervt, ich solle mich beruhigen und mal ein kleines Gläschen Wein zur Entspannung trinken. Auf meine Frage, ob die Antibiotika vielleicht die Darmbakterien negativ beeinflusst hätten, sagte die Ärztin nur, dass das kein Thema ist und dass sich das von alleine regelt. Damit war das Thema vom Tisch und ich ging nach Hause.
Wein trinken linderte die Beschwerden etwas, aber das war keine Lösung und würde irgendwann dazu führen, dass ich Alkoholiker würde. Deshalb ging ich diesen Weg nicht. Ich musste mit meinen Beschwerden leben und begann zu Essen, weil Essen und vor allem das Essen von Süßigkeiten meine Beschwerden linderte. Ich wurde innerhalb von drei Jahren dick und wog bei eine Größe von 1,70 m zum Schluss 124 kg. Durch Meditation und Yoga konnte ich meine Beschwerden ignorieren. Im Jahr 2010 bekam ich Hautpilzerkrankungen zwischen den Zehen und zwischen den Beinen. Ich konnte plötzlich auch keine Haferflocken mehr vertragen und reagierte darauf mit Reflux. Zudem bekam ich auch blutende Hämorrhoiden. Dagegen bekam ich eine Salbe und der Fall wurde nicht weiter beachtet. Irgendwann traten dann Schmerzen in der Brust auf und die Ärzte Odyssee begann erneut. Ich musste die Arbeit an meiner Dissertation (Doktorarbeit) abbrechen, was mich sehr ärgerte und sicherlich meinen Doktorvater enttäuschte. Ich wurde zeitweise irgendwie dumm und konnte mich nur schwer konzentrieren. Ein mal waren die Schmerzen in der Brust so schlimm, dass die Hausärztin ein EKG aufnahm und Tests bezüglich eines Herzinfarktes durchführte. Die Diagnose war Bluthochdruck und Adipositas, aber ansonsten kam nichts weiter bei den Tests heraus.
Ich bekam immer mehr Medikamente gegen Bluthochdruck, weil dieser sich nur schwer bändigen ließ. Das Leiden ging weiter und ich begann eine Diät, um das starke Übergewicht in den Griff zu bekommen. Ich reduzierte mein Gewicht durch die Methode „Friss die Hälfte, du bist dick genug“ innerhalb eines Jahres um 15 kg. Das Leben wurde erträglich und ich konnte nachts wieder einigermaßen atmen. Immer wieder traten allerdings Schmerzen in der Brust und die daraus resultierenden Arztbesuche führten dazu, dass meine Ärztin mich nicht mehr ernst nahm und mich zu ihrer Assistenzärztin weiter schob.
Ich zog 2019 in eine andere Stadt. Aufgrund von immer schwereren Hautpilzinfektionen suchte ich eine andere Hausärztin auf und bekam eine Salbe gegen die Hautpilzerkrankung. Mit dieser Salbe und Apfelessig ließ sich der Hautpilz in Schach halten. Der Blutdruck allerdings stieg immer weiter. Irgendwann ging es mit so schlecht, dass meine Hausärztin mich ins Krankenhaus zu einem Umfassenden Gesundheitscheck überwies. Dabei kam heraus, dass ich an Gallensteinen, einer Schrumpfgallenblase und einer Divertikulose litt. Die Gallenblase wurden ein Jahr später entfernt und die Hautpilzerkrankung besserte sich daraufhin etwas. Der Chirurg, der die Gallenblase entfernte, sah etwas nachdenklich aus, als er mir von der Operation erzählte; Er musste die Gallenblase erst einmal lange suchen und als er sie fand, war sie nur noch groß wie eine Walnuss und völlig am Ende. Die Operation dauerte zwei Stunden. Die Entfernung der Gallenblase war dringend nötig. Ich schöpfte Hoffnung, dass sich mein Gesundheitszustand bessern würde, aber meine Beschwerden verschlimmerten sich. Die Ärzte sagen immer, dass man eine Gallenblase nicht wirklich braucht. Meiner Erfahrung nach stimmt das aber nicht. Dieser Sachverhalt sollte sich nach einiger Zeit deutlich zeigen.
In meinen Notizen aus dieser Zeit wird die Kaskade an Beschwerden sichtbar, die nach der Operation wie ein einstürzendes Kartenhaus über ich einbrach: Bluthochdruck, Müdigkeit, entzündliche Gliederschmerzen, Husten, Konzentrationsschwäche, depressive Stimmung, Schmerzen in den Schultern, Stechen in der Brust, Husten, Ziehen im Oberbauch links, ziehen im Oberbauch mittig, ziehen im Oberbauch rechts, Blähbauch, Druck im Bauch, Bauchgrummeln, heiße Hände, druckempfindliche Brust, entzündliche Schmerzen, das Gefühl von Adrenalin, Herzstechen, Schmerzen an den Rippen und Brustbein, Panik, sehr geringe Belastbarkeit, schlagartig auftretender hoher Puls, Gliederschmerzen an den Sehnenansätzen, Atemnot, Reizmagen, Magenschmerzen, Hautpilz, Herzklopfen, Urindrang nachts, starkes Schwitzen nachts, schleimiger Husten, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Fiebriges Gefühl ohne Fieber, Druck in der Brust, Übelkeit, schwarze Schatten im Sichtfeld, Verstopfung, Herzrhythmusstörungen, Knötchen im Fettgewebe im Brustbereich und geschwollene Füße. Das schlimme daran war, dass die Beschwerden zum Teil schlagartig auftraten und sich ohne erkennbaren Grund mit Phasen abwechselten, in denen ich beschwerdefrei war. Hatte ich aber Beschwerden, waren sie zum Teil so schlimm, dass ich nur noch in Schonhaltung auf der Couch liegen konnte. Ich wurde wieder ins Krankenhaus geschickt und es kam wieder nichts dabei heraus. Meine Hausärztin nahm mich gefühlt nicht mehr ernst. Ich führte über Jahre hinweg ein Krankentagebuch, was aber keinen Arzt jemals interessiert hat. Dafür bekam ich von meiner Ärztin Vorwürfe, weshalb ich mit immer neuen Ideen für mögliche Erkrankungen zu ihr komme. Die Beschwerden waren zum Teil so schlimm, dass ich zwei mal die Notaufnahme im Krankenhaus aufsuchte. Die beste Bemerkung bekam ich dort von einer jungen Ärztin serviert, die mich untersuchte: „Ihre Hausärztin tut mir leid.“
Dann passierte im August 2024 etwas, was ich im Nachhinein als Geschenk Gottes sehen muss: Ich bekam eine schwere atypische Lungenentzündung durch Mykoplasmen. Die Lungenentzündung kündigte sich bereits eine Woche vorher an. Ich hatte hohes Fieber und hatte ein schaumiges Knistern in meiner Lunge, was aber nicht wirklich ernst genommen wurde. Meine Hausärztin machte einen Abstrich und ich bekam das Antibiotikum Amoxicillin, das aber nicht wirklich half. Es wurde immer schlimmer. Die Tatsache, dass ich den Notruf wählte, verdankte ich einer inneren Stimme, die zu mir Sprach, dass ich nicht einschlafen, sondern den Krankenwagen rufen sollte. Laut dem, was meine Frau mir erzählt hat, war ich zu diesem Zeitpunkt wohl eingeschlafen und machte Atemgeräusche, als ob ich ersticken würde. Dieser Zustand war für mich irgendwie angenehm und friedlich, aber die innere Stimme ließ mir keine Ruhe. Ich antwortete der Inneren Stimme, dass ich doch nicht für jede Kleinigkeit die 112 wählen kann. Die Stimme ließ mir aber keine Ruhe und ich stand auf, um am Computer bezüglich des schaumig blubbernden Geräusches in meiner Lunge zu recherchieren. Das Ergebnis der Recherche enthielt immer die das Wort „Notfall“. Plötzlich wurde alles um mich herum strahlend weiß und ich fühlte mich schwerelos und als ich wieder zu mir kam, griff ich zum Telefon und rief die 112. Ich kam ins Krankenhaus und wurde in der Notaufnahme erst einmal von der diensthabenden Ärztin ausgeschimpft, warum ich mich nicht an Therapieempfehlungen halte. Ich reagierte sauer und traute meinen Ohren nicht. Nachdem die Ärztin im Krankenhaus aber meine Brust abgehört hatte, wurde sie plötzlich sehr direkt: „Den Patienten sofort auf Station zwei!“ Ich wurde an ein EKG angeschlossen und permanent überwacht.
Meine Hausärztin hatte einige Tage zuvor einen Abstrich gemacht um den Grund für meine Bronchitis zu ermitteln. Als das Ergebnis des Abstrichs eine Infektion mit Mykoplasmen ergab, wurde ich sofort in ein Quarantänezimmer verlegt. Auch wenn die Ärzte mich bis dahin nicht ernst nahmen, vor den Mykoplasmen hatten sie Respekt. Ich sehe es so: Andere haben einen Pit BullTerrier, um sich Respekt zu verschaffen, ich hatte Mykoplasmen. Ich bekam eine Infusion mit dem Antibiotikum Moxifloxacin, was ich liebevoll „Meister Propper“ nannte; Es roch wie dieses Putzmittel und sah auch so aus. Als ich einen Tag später Durchfall bekam, stank das ganze Zimmer wie ein Pferdestall und selbst der Krankenpfleger hielt die Luft an, als er das Zimmer betrat. Ich konnte auch nichts essen. Alles schmeckte wie Salzwasser. Mein Körper verlangte intuitiv nach Joghurt und Äpfel. Ein junger Arzt, der noch in der Universität studierte, besorgte mir, nachdem ich durch pausenlose Bettelei nach Joghurt und Äpfel verlangt hatte, Joghurt und ein paar Äpfel und der Durchfall verschwand bereits am nächsten Tag. Ich erinnere mich noch an eine Bemerkung einer Krankenschwester: „Joghurt und Äpfel, ja so was hab ich noch nie gehört.“ Wahrscheinlich hatte dieser Junge Arzt mir das Leben gerettet, denn so hatte mein Körper wieder mehr Ressourcen, um sich gegen die Mykoplasmen zu wehren. Ich blieb zwei Wochen im Krankenhaus. Der Kardiologe im Krankenhaus stellte fest, dass bei mir eine hypertensive Herzkrankheit im Entstehen war. Ich bekam noch mehr Blutdrucksenker und Tabletten zur Entwässerung, so dass mein Blutdruck im Normbereich lag und sich die hypertensive Herzkrankheit mit der Zeit wieder zurückbilden konnte.
Zwei Wochen später kam ich aus dem Krankenhaus und musste mich vier Wochen lang schonen. Ich hatte in zwei Wochen weitere 15 kg abgenommen. Meine Beschwerden, die ich bereits vorher hatte wurden nach meiner Genesung schlimmer. Rücken und Gliederschmerzen waren so stark wie die, die man bei einer Grippe bekommt. In meinem Magen hatte ich das Gefühl, als ob ein sich zappelnder Fisch oder ein Alien in meinem Bauch bewegt und raus möchte. Wenn mein Magen zu zappeln begann, konnte ich kaum atmen. Ich verbrachte viel Zeit im Liegen auf der Couch, weil dies meine Beschwerden erträglich machte und ich hatte Angst, vor der Couch aufzustehen um aufs Klo zu gehen, weil dann die Schmerzen wieder da waren. Ich bekam Protonenpumpenhemmer zur Reduzierung meiner Magensäure. Der zappelnde Fisch in meinem Bauch beruhigte sich, aber dafür bekam ich jetzt Blut im Stuhl durch Hämorrhoiden. Ich bekam also eine Cortison-Salbe, die aber nicht wirkte aber mit Zinksalbe konnte ich die Hämorrhoiden in Schach halten. Wegen meiner Rückenschmerzen wurde ich zum Orthopäden überwiesen und der meinte, dass ich eine Intercostalneuralgie aufgrund der Abnutzung der Wirbelsäule habe. So etwas komme mit dem Alter. (Anmerkung: Ich bin Ende 49 Jahre alt) Meine Frau schaffte es, die Rückenschmerzen durch Massagen der schmerzhaften Triggerpunkte am Rücken in Schach zu halten, so dass ich zumindest nicht bettlägerig wurde. Sie hatte das in einem Video über Pferde gesehen. Alternativ zur Massage, konnte ich mit einer Faszienrolle die Triggerpunkte massieren, was auch half. Die Wirksamkeit der Massage der Triggerpunkte fand meine Frau durch Zufall heraus. Auch wenn die Massagen so schmerzhaft waren, als ob man mit einer Nadel in den Muskel sticht, besserten sich dadurch die Schmerzen etwas. Wegen der bei mir aufgetretenen geschwollenen Lymphknoten schickte mich meine Hausärztin zum Radiologen. Das MRT ergab den Verdacht auf ein Lymphom. Der Moment, als mich meine Hausärztin zum Onkologen überwies, war der Moment, an dem sich mein Leben änderte. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ärzte endlich die Ursache meiner Beschwerden gefunden hatten war hoch. Mir blieb vielleicht nicht mehr viel Zeit und in dieser Zeit wollte ich in Frieden leben. Ich legte meine Angst vor den Konsequenzen ab, die andere Menschen mir zufügen können und warf alle Menschen, die mich unter Druck setzten aus meinem Leben. Ich deeskalierte nicht immer alle Konflikte, sondern handelte das erste mal in meinem Leben souverän, so wie es mir gefiel. Das wirkte sich sehr positiv auf mich aus. Ich musste nun zwei Wochen auf die Auswertung der Blutuntersuchung warten. Heraus kam wie immer – nichts.
Meine Hausärztin schickte mich wegen der Hämorrhoiden zum Proktologen. Ich fand mich beim Proktologen mit gespreizten Beinen auf einem Untersuchungstisch wieder – immerhin konnte ich es jetzt auch irgendwie nachvollziehen, wenn meine Frau mir vom Termin beim Gynäkologen erzählte. Der Proktologe untersuchte mich und empfahl mir Probiotika zum Aufbau der Darmflora. Er empfahl mir zudem, mich im Internet über das Mikrobiom zu belesen, was ich auch machte. Dieser Tipp veränderte alles.
Ich besorgte mir probiotischen ABC Joghurt aus dem Biomarkt und meine Beschwerden reduzierten sich sehr bald Schritt für Schritt. Da probiotischer Joghurt teuer ist, lernte ich, Joghurt selbst zu fermentieren. Ich nehme jeden Tag etwas Joghurt zum Essen zu mir und bin mittlerweile wieder so sportlich, dass ich mehrtägige Radtouren im Oberlausitzer Bergland fahren kann. Die Muskelschmerzen habe ich immer noch, aber sie gehen zurück. Die Heißhungerattacken, die ich in der Vergangenheit hatte, treten kaum noch auf. Nach 20 Jahren Krankheit habe ich heute so viel Energie, dass ich beruflich ein neues Projekt beginnen konnte, das ich mit Begeisterung voranbringe. Die meisten Beschwerden sind sehr schnell verschwunden. Dennoch halten sich einige Reste von Muskelschmerzen hartnäckig und der Blähbauch, der 2-3 Stunden nach dem Essen auftritt und dann wieder verschwindet, ist auch geblieben.
Als ich letztens meiner Hausärztin von meinen gesundheitlichen Fortschritten berichtete antwortete diese nur: „Ach, das ist ja schön.“ Als von ihr aber keine Fragen kamen versuchte ich ihr Informationen aus der Nase zu ziehen, um mehr darüber zu erfahren, was mit mit gerade geschieht. Eine der Aussagen von ihr waren, dass das Mikrobiom überbewertet werde und das vieles in diesem Bereich Geldschneiderei ist. Die Wahrheit ist meiner Ansicht nach komplexer, denn einerseits ist das Mikrobiom lebensnotwendig und nie überzubewerten. Gleichzeitig gibt es einen Hype in diesem Thema und es wird viel Geld verdient.
Ich sehe, dass viele Ärzte völlig betriebsblind sind. Zwanzig Jahre lang habe ich gelitten und bis auf den Proktologen konnte mir keiner der Ärzte einen Hinweis geben, was die Ursache meiner Erkrankung war. Die erste heiße Spur auf der Suche nach der Ursache meiner Erkrankung wird von meiner Hausärztin als unwichtig abgetan. Für mich manifestiert sich hier bei einigen Ärzten Betriebsblindheit und ich sehe, dass ich meine Gesundheit selbst in die Hand nehmen muss, auch wenn ich kaum medizinische Kenntnisse habe. Trotz allem höre ich meiner Hausärztin sehr aufmerksam zu und bohre wie ein Detektiv unangenehm penetrant durch Fragen nach Informationen – irgendwie tut mir die Ärztin leid, aber ich will überleben und deshalb muss ich ihr das zumuten.
Von drei Ärzten, die in ihren Youtube-Kanälen über das Thema der Dysbiose informieren, habe ich Informationen bekommen, die mir bei der Verbesserung meines Zustandes sehr helfen. Auch die Beschwerden, die sie schildern, treffen nahezu hundertprozentig auf mich zu. Da diese Ärzte allerdings Privatärzte sind, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen, schaue ich genau hin und trenne wirtschaftliche Interessen von medizinischem Wissen.
Zur Zeit lese ich das Buch Schulz, Christian; Malfertheiner, Peter: Gastrointestinales Mikrobiom. Organ- und systembezogene Perspektiven. Springer Verlag. Berlin, 2025. Ein weiteres Buch, dass ich gelesen habe und das ich sehr empfehlen kann ist: Selz, Ulrich: Der Darm Doc. Rohwolt-Verlag. Hamburg, 2026 Dieses Buch enthält praxistaugliche Informationen, die auch ohne die Arzneimittel funktionieren, die Dr. Selz in seinem Shop anbietet. Es setzt auf gründliche medizinische Diagnostik und Arzneimittel, die jeder Hausarzt verschreiben könnte, wenn er wollte. Die wichtigsten Arzneimittel, die in diesem Buch empfohlen werden, sind in unserer heimischen ausgewogenen Ernährung zu finden. Es kommt nur darauf an genau festzustellen, was die Ursachen der Dysbiose sind und wie der Speiseplan nach der Entlastung des Darmes wieder gezielt und behutsam aufgebaut werden kann, um das Mikrobiom anzufüttern.
Des weiteren habe ich erfahren, dass ich als Kaiserschnittkind vom Beginn meines Lebens an, eine Fehlbesiedelung meines Darmes erhalten habe. Das erklärt im Nachhinein auch meine Sucht nach Süßigkeiten, die ich bereits als kleines Kind hatte, meine verfaulten Milchzähne und mein oft juckender Hintern, der mich als Kind geplagt hatte. Ich werde wahrscheinlich mein ganzes Leben anfällig für Dysbiosen sein und bin deswegen gezwungen, Experte für mein Mikrobiom zu werden.
Warum schreibe ich das Ganze und veröffentliche es im Internet? Vielleicht hilft es jemandem, der eine ähnliche Leidensgeschichte hat, den Ärzten die richtigen Fragen zu stellen. Deutschland ist medizinisch in vielen Teilen rückständig. Lediglich die Pharmaindustrie weiß sehr gut Bescheid, was sie tut. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein Krankentagebuch und ein regelmäßig geführtes Notizbuch ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zur Besserung sind. Die Ärzte, die ich erlebt habe, können mit Standardsituationen gut umgehen, bei der die Ursache der Erkrankung klar erkennbar ist und die Kausalkette der Krankheitsursachen überschaubar kurz ist. Sobald eine Krankheitsursache erst über mehrere Mechanismen zu einem Krankheitssymptom führt, sind Ärzte meist überfordert. Ärzte haben viel Wissen, aber sie sind meist keine Mathematiker und keine Ingenieure, die mit komplexen Regelkreisen methodisch umgehen können. Deshalb ist man als Patient gefordert, selbst wie ein Detektiv zu recherchieren und die Zusammenhänge der einzelnen Symptome und Ereignisse mühsam zu ermitteln. Man muss selbst aktiv werden und darf nicht aufgeben, selbst, wenn man den Ärzten auf die Nerven geht.
Die letzte Ärztliche Untersuchung ergab sehr gute Blutwerte und ein guter Gesundheitszustand. Die Blähungen 3 Stunden nach dem Essen sind vermutlich der Tatsache geschuldet, dass ich keine Gallenblase mehr habe. Blutdrucksenker muss ich weiter nehmen, hoffe aber, dass sie irgendwann nicht mehr, oder geringer dosiert nötig sind. Mit folgenden Therapiemaßnahmen halte ich seit einem Jahr meine Gesundheit stabil und beobachte eine stetige, langsame Besserung:
- Selbst fermentierter probiotischer Joghurt zu jeder Mahlzeit.
- Essen von Haferbrei aus 60 – 80 Gramm groben, gekochten Haferflocken zum Frühstück. Das Beta-Glucan im Hafer bindet Gallensäuren, vermeidet Blutzuckerspitzen und fördert eine gesunde Darmflora. Das vermeidet Heißhungerattacken.
- Ich achte Darauf, dass ich Lebensmittel mit wasserlöslichen Ballaststoffen (Präbiotika) zu mir nehme. Dadurch wird ein gesundes Mikrobiom gefördert, was sich positiv auf mein Befinden auswirkt. Eine schöne Übersicht ist hier zu finden. Zu dort genannten Ballasstoffen zählen: Galacto-Oligosacharide der Raffinose-Familie, Fructo-Oligosacharide, Resistente Stärke, Hemicellulosen, Pektin.
- Massage der Rückenmuskulatur mit der Faszienrolle bei Rücken-, Brust-, und Bauchschmerzen.
- Regelmäßiger moderater Sport.
- Supplementierung von Vitamin D und K während der Wintermonate, sowie Omega 3 Fettsäuren aus Leinöl.
- Ausgewogene, vielseitige Ernährung.
- Keine großen Fettmengen in einer Portion, da dies ohne Gallenblase zu die genannten Symptome verstärkt.
- Maximal etwas Obst zum Abendessen.
Mittlerweile haben sich die Präbiotika in meinem Essen so ausgewirkt, dass meine Blähungen fast verschwunden sind. Auch meine Muskelschmerzen sind weniger geworden. Es sieht so aus, als ob man sich sein Mikrobiom wie einen Garten kultivieren muss. Durch Präbiotika bereitet man den Boden vor und durch Probiotika pflanzt man die ersten Pionier-Organismen an. Die Vielfalt an weiteren Organismen folgt dann mit der Zeit.










