Archiv des Autors: michael

Wenn Maschinen uns von der Arbeit befreien

In Anbetracht der ganzen Diskussion um PEGIDA kann ich nur folgendes sagen: Wenn uns die Maschinen von der Arbeit befreien, wird sich unser Leben verändern. Und die Maschinen werden uns von der Arbeit befreien, verlasst euch darauf. Es kommt nun darauf an, was wir aus der Zeit machen, die uns zu Verfügung steht …

Automatisierung-Jobs-Pegida

LED-Lampe für den Pflanzenbau

Typ: LED-02

Das Gartenbau-Ingenieurbüro B. Sc. Julia Schwarzmeier, das Gartenbau-Ingenieurbüro für wissenschaftliche Beratung M.Sc. Volker Croy und das Ingenieurbüro für Wärme- und Stoffübertragung Dipl.-Ing Michael Klotsche haben eine LED-Lampe für den Pflanzenbau entwickelt und einen funktionsfähigen Prototypen realisiert.

 

LED-Lampe-141217-1-klein

Typ: LED-03

Dieses Jahr wurde ein neuer Prototyp der LED Lampe gefertigt. Die Lampe hat eine maximale Leistung von 500W und jede einzelne Lichtfarbe kann frei eingestellt werden. Die Lampe ist vollständig programmierbar, so dass sie auch selbständig festgelegte Abläufe der Lichtfarben realisieren kann.

 

img_5966

 

Entwicklungshilfe

Nicht die Länder der so genannten „Dritten Welt“ brauchen Entwicklungshilfe, sondern wir in den Industrieländern. Deswegen müssen Ingenieure daran arbeiten,  Technik so zu gestalten, dass Stoffkreisläufe geschlossen werden, regional vorhandene Energieströme genutzt werden und Technik leicht kopier- und realisierbar ist.

Oel-Junkies

 

 

OpenSCAD

Das Programm OpenSCAD ist ein 3D CAD Programm, mit dem es möglich ist, STL Dateien zu erzeugen, die von Rapid Prototyping Maschinen gelesen werden können. Das sehr übersichtlich geschriebene Handbuch für OpenSCAD befindet sich bei Wikibooks. Ein weiterer Vorteil ist die einfache Programmiersprache, um einen Körper zu erstellen:

Die Befehle

// Kommentar
a = 1;
b = 1;
c = 1;
x = 10;
y = 0;
z = 0;
translate ([x,y,z])
cube([a,b,c], center=true);

zeichen einen Quader mit den Abmessungen 1 x 1 x 1 mm, der um 10 mm in x-Richtung verschoben ist. Mit der Taste F5 wird der Quader automatisch gezeichnet und kann mit der Maus gedreht und von allen Seiten betrachtet werden. Dieses Programm läßt sich mit der Ausgabe des mathematischen Programms Scicoslab ideal kombinieren, so dass mit diesen beiden Programmen die Ergebnisse aus mathematischen Simulationen direkt in 3D CAD und dann sofort in eine maschinenlesbare Datei umgewandelt werden können. Scicoslab schreibt die mathematischen Ergebnisse als Variablen in eine Textdatei, die dann direkt in OpenSCAD geladen und ausgeführt werden kann. Die Befehle, die in Scicoslab hierfür notwendig sind lauten:

// Schreiben der Parameter in eine Datei
fd = mopen(Pfad +  ‚Dateiname.scad‘,’w‘);
mfprintf(fd, ‚%s \n‘,’a = ‚+string(a)+‘;‘);
mfprintf(fd, ‚%s \n‘,’b = ‚+string(b)+‘;‘);
mfprintf(fd, ‚%s \n‘,’c = ‚+string(c)+‘;‘);
mclose((Pfad +  ‚Dateiname.scad“);

Zu Scicoslab habe ich in diesem Blog bereits etwas geschrieben. Die Programmiersprache von OpenSCAD und Scicoslab sind sich sehr ähnlich, was das Programmieren mit beiden Programmen vereinfacht.

 

Windrad in Pillnitz

Im Rahmen des Projekts „Sustainable Campus“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden wurde ein Savonius-Rotor konstruiert und vom Modell über Versuche im Windkanal bis zum fertigen Windrad realisiert. Im Zuge des Projekts wurde im Windkanal auch ein Modell eines Canstein-Rotor vermessen. Das Konzept des Canstein-Rotors wurde von dem Erfinder Carl von Canstein entwickelt.

 

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Windkanal

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Modell des Canstein-Rotors

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Gebläse

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Positions- und Drehmomentmessung

Canstein-Rotor-Kennlinie-5mm

Leistungsbeiwert cp und Momentenbeiwert cm des Canstein-Rotors bei einer Blattneigung von 6°

Savonius-Rotor-Kennlinie

Leistungsbeiwert cp und Momentenbeiwert cM des Savonius-Rotors

Canstein-Skizze

Profilform des Canstein-Rotor Modells

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Modell des Savonius-Rotors

 

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Realisierter Savonius-Rotor

 

Ein besonderer Dank gilt auch der Firma BOREAS Energie GmbH für die freundliche Unterstützung.

 

Scicoslab

Das freie Softwarepaket Scicoslab mit dem Editor Scipad wird im Bereich der numerischen Mathematik angewendet und ist ein Fork des Softwarepakets Scilab. Scicoslab ist eine Gtk+ Version von Scilab. Die Geschichte von Scicoslab kann man hier nachlesen.

Ich persönlich nutze Scicoslab zusammen mit dem enthaltenen Editor Scipad auf dem Betriebssystem Debian „Squeeze“ für meine Berechnungen und bin seit Jahren ein begeisterter Anwender dieses Softwarepakets. Im Vergleich zu Scilab läuft Scicoslab stabiler, und in Kombination mit dem Editor Scipad, kann ich mit diesem Softwarepaket arbeiten, ohne von vielen Buttons und Menues abgelenkt zu werden. Für meinen Geschmack schalte ich die Hintergrundfarbe des Editors auf Schwarz. So treten die verschiedenen Farben der einzelnen geschriebenen Zeichen besser hervor.

Scicoslab-Konsole

Scicoslab-Konsole

 

Scipad

Scipad Fenster

 

Der Editor Scipad gibt Variablen, Funktionen, Rechenzeichen, Kommentaren und Befehlen verschiedene Farben, so dass diese gut voneinander zu unterscheiden sind. Variablen erhalten eine andere Einfärbung, wenn sie bereits definiert sind. Das erleichtert es, undefinierte Variablen zu erkennen.

Schwebt man mit dem Mauszeiger über einer Variablen, wird deren Wert angezeigt, wenn dieser berechnet wurde. So kann man im Programmcode direkt in die Werte der Variablen hineinsehen.

Um einen Code zu starten, wird dieser einfach mit vom Editor aus „strg + l“ in Scilab geladen und ausgeführt, ohne dass die Programmzeilen in der Konsole angezeigt werden. So kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren und wird nicht von vielen Zeilen in der Konsole abgelenkt.

Scicoslab steht hier zum Download bereit. Von der Scicoslab Seite aus über den Button „Download“, kann man zu den Programmversionen kommen. Scicoslab wurde auch für Debian „wheezy“ in der 64 bit Version und vielleicht ab September auch in der 32 bit Version kompiliert werden. Ebenso stehen aktuelle Versionen für Ubuntu, Fedora, Scientific Linux und Mc OS zu Verfügung. Für Windows XP steht Scicoslab auch zu Verfügung.

Sehr gute Handbücher zu Scicos und Scilab:
Zogg, Jean-Marie: Arbeiten mit Scicos und Scilab
Picon, Bruno: Einführung in Scilab

Für die direkte Umsetzung von berechneten Größen in eine 3D-Zeichnung kann ich aus meiner praktischen Erfahrung das Programm OpenSCAD empfehlen. Näheres dazu habe ich in meinem Blog geschrieben.

 

Betrachtungen zum Klimawandel

Im Bereich des Klimawandels hat sich mittlerweile so etwas wie eine Religion herausgebildet, die sich auf die Naturwissenschaft beruft. Aus diesem Grund möchte ich den Klimawandel naturwissenschaftlich betrachten, ohne die Absicht, den Klimawandel zu erklären. Erklärungen fallen in den Bereich des Glaubens und der Glaube ist die Angelegenheit jedes einzelnen Menschen für sich.

Verdunstung der Landflächen
Angenommen, in Sachsen fallen durchschnittlich 600 mm/a  Niederschlag auf den Erdboden. 1)
Des weiteren  wird angenommen, dass die Globalstrahlung in Sachsen durchschnittlich 1100 W/(m² a) beträgt. 2)
Angenommen, die Menge des verdunsteten Wassers schwankt zwischen 380 l/(m² a) bei Grasflächen, 480 l/(m² a) bei Buchen und Eichenwäldern und 580 l/(m² a) bei Kiefernwäldern . 3)
Die Verdunstung von Wasser benötigt Energie. Die Verdampfungsenthalpie von Wasser beträgt 2459 kJ/kg beziehungsweise 0,683 kWh/kg bei einer Temperatur von 17,5°C.  Das bedeutet eine Verdampfungsenthalpie auf die Fläche bezogen von 259 kWh/(m² a) bei Grasflächen, 327 kWh/(m² a) bei Buchen und Eichenwäldern und 395 kWh/(m² a) bei Kiefernwäldern.
Bezogen auf die auftreffende Globalstrahlung bedeutet dies, dass zur Verdunstung folgende Anteile der eintreffenden Globalstrahlung notwendig sind: 23,6% bei Grasflächen, 29,7% bei Buchen und Eichenwäldern und 35,9% bei Kiefernwäldern.
Über die Niederschlagsmenge, die als Regen oder Nebel nieder geht und den Erdboden nicht erreicht, kann hier keine Aussage getroffen werden.

Infrarotstrahlung der Wolken
CO2 Absorbiert die Infrarotstrahlung, die vom Boden ausgehend gegen den Himmel strahlt. Die Strahlung kann somit nicht vollständig in den Weltraum entweichen und wird in der Atmosphäre absorbiert. Die Erde wird so vor einem zu starken Wärmeverlust geschützt. Wenn feuchte Luft vom Boden aus nach oben steigt und der Luftdruck sinkt, sinkt auch die Temperatur der Luft und der Wasserdampf kondensiert zu Wolken. Die Wolken, die sich in großer Höhe über der dichten Luft am Boden befinden, haben über sich lediglich eine Luftschicht mit sehr dünner Luft und somit wenig CO2 und können mehr Infrarotstrahlug in den Weltraum abgeben. Dies ist sehr schön an den Infrarotaufnahmen des Wettersatelliten EUMESAT zu sehen. Die Wolken strahlen im Infraroten Bereich und sind auf der Aufnahme weiß. Trockene Gebiete wie z.B. die Sahara sind vor allem tagsüber schwarz, senden also weniger Infrarotstrahlung aus.

Transport von CO2 Richtung Boden
Die Wassertropfen in den Wolken bilden zusammen mit dem CO2 der Luft Kohlensäure. Die Kohlensäure wird über den Regen in Richtung Boden transportiert. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass der CO2 Gehalt der Luft mit der Höhe über dem Boden abnimmt.

Fazit
Es gibt einige Dinge, die man jetzt schon sagen kann, ohne die Welt zu erklären:

  1. Die Sache mit dem Klimawandel ist auf jeden Fall ein Riesen Geschäft, bei dem eine Menge Geld verdient wird.
  2. Unsere Böden beeinflussen den Wasserhaushalt und somit das Klima wesentlich. Wir sollten sorgsam mit ihnen umgehen.

Hier sei noch auf einen Artikel im Online-Magazin von „Spektrum der Wissenschaft“ verwiesen, in dem die Auswirkungen der Verdunstung von Wasser durch die Regenwälder betrachtet wird.

 

 

 

 

 

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4) Cerbe, G; Wilhlems, G: Technische Thermodynamik. Hanser Verlag. München, 2008

Umgang mit Ingenieuren

Bei vielen Projekten fällt mir auf, dass Leute aus dem kaufmännischen Bereich, die sich im Allgemeinen auch als Geschäftsführung bezeichnen, nicht mit den Ingenieuren in den Projekten reden. Wenn sie mit den Ingenieuren dennoch Worte wechseln sollten, dann gleicht dieses Gespräch eher einem Verhör mit einem erzieherischem Anspruch. Die Kaufleute stellen Fragen, die darauf abzielen, dass die Ingenieure sich für ihre Arbeit rechtfertigen müssen. Ich möchte ein solches Gespräch zwischen einem Kaufmann und einem Ingenieur beispielhaft wiedergeben, um das gesamte Problem zu verdeutlichen und Einblicke darüber zu geben, was in einem Ingenieur dabei vorgeht:
Kaufmann: Sind Sie schon weiter gekommen bei der Sache mit dem Kühlkörper?

Ingenieur: (denkt: Jetzt kommt der schon wieder mit seinem Kühlkörper. Wir haben viel wichtigere Probleme.) Ja, ich bin weiter gekommen. Der Kühlkörper kann nun durch Falten eines kleinen Stück Aluminiumblechs hergestellt werden.
Kaufmann: Denken Sie, das das funktioniert?

Ingenieur: (denkt: Was soll das denn?) Ja, das funktioniert. Das Blech kann an zwei Enden eingespannt und dann so zusammengeschoben, dass es einknickt und die Form des Kühlkörpers ergibt. (Der Ingeneiur macht eine Geste mit seinen Händen und verdeutlicht damit das Zusammenfalten)

Kaufmann: Geht denn das nicht anders? Haben Sie schon mal geschaut, wie in anderen Unternehmen Kühlkörper hergestellt werden? Es dürfte doch kein Problem sein, solche Kühlkörper zu kaufen.

Ingenieur: (denkt: Das hatten wir doch schon mal diskutiert. Das Problem ist gelöst und es gibt wichtigere Aufgaben. Was mach ich mit dem Typen am besten? Am besten ich würge das Gespräch ab. Naja, wahrscheinlich werden die mich sowieso bald rausschmeißen.) Ich habe bei Firmen nach solchen Kühlkörpern gefragt. Die meisten haben nicht geantwortet und ich musste hinterhertelefonieren um zu erfahren, dass sie diese Kühklörper nicht herstellen können.

Kaufmann: Bei wie vielen Firmen haben sie gefragt?

Ingenieur: (denkt: Ach du scheiße, jetzt geht das schon wieder los. Als ob wir nicht schon genug Schwierigkeiten hätten. Es ist doch nur eine Kleinstserie. Das Problem mit dem Kühlkörper ist gelöst und es kostet zudem kaum was.) Bei fünf Herstellern von Kühlkörpern. Denen war diese Art von Kühklörpern so fremd, dass ich ihnen erst lange erklären musste, was wir brauchen.

Kaufmann: Fünf? Das reicht nicht! Fragen Sie mehr Firmen an! Lassen Sie sich Angebote machen, von 20 Firmen oder von 50!

Ingenieur: (denkt: Das werde ich bestimmt nicht machen, weil ich mich sonst bei den Firmen lächerlich mache und mein Ansehen verliere. Ich weiß das, weil ich mit einigen Lieferanten bei einem Bierchen erfahren habe, wie Preisdrücker behandelt werden.) Angebote erstellen ist ein großer Aufwand. Wenn ich das mache, bekommen wir einen schlechten Ruf, weil wir nicht beabsichtigen, die Angebote anzunehmen.

Kaufmann: Das ist Unsinn! Ich möchte übermorgen die Angebote der Firmen auf meinem Tisch haben und keine Diskussion.

Ingenieur: (denkt: Von wegen, das werde ich nicht tun. Ich bin doch nicht bescheuert und hänge mich an unwichtigen Details auf, die bereits gelöst sind. Ich kümmere mich lieber um die wichtigen Probleme. Sonst bin ich wieder schuld, wenn das ganze Projekt nicht funktioniert. Der soll nächste Woche wieder kommen.) Hmm, gut mach ich.

Kaufmann: Genau! Kommunikation ist wichtig und viele Probleme lassen sich durch persönliche Gespräche mit den Firmen ganz schnell lösen, und Sie müssen nicht Ihre Arbeitszeit mit dem Lösen technischer Detailaufgaben verbringen.

Solche Gespräche habe ich wieder und wieder erlebt. Diese Gespräche führen dazu, dass der kaufmännische Bereich eines Projekts als letzter erfährt, wenn es Schwierigkeiten gibt.

Ingenieuren wird nachgesagt, dass sie wenige „Softskills“ sprich soziale Kompetenz haben und nicht Teamfähig sind. Es gibt sogar Kurse, die Ingenieuren Soziale Kompetenz beibringen sollen, so dass Kaufleute mit ihnen klar kommen.

Wenn Ich Ingenieure unter sich beobachte, wenn keine Kaufleute und deren Kontrolleure da sind, merke ich, dass die Zusammenarbeit ausgezeichnet funktioniert. Selbst Ingenieure, die man mit dem Begriff „Nerd“ bezeichnen könnte sind voll in die Arbeitsgruppen integriert. Es muss also doch eine Form von Sozialkompetenz bei Ingenieuren vorhanden sein. Die Beobachtungen, die ich dabei gemacht habe, habe ich in dem Artikel „Gewaltfreie Zusammenarbeit“ zusammengefasst.

Wenn Kaufleute sich auf die Umgangsformen von Ingenieuren einlassen, erfahren sie Dinge, die sie nicht für möglich halten. Ingenieure sind meiner Erfahrung nach sehr redselig und lügen nur dann, wenn sie dazu gezwungen werden. Sich zu verstellen, Dinge geheim zu halten und und zu lügen ist anstrengend und verschwendet Zeit, die Ingenieure im Allgemeinen nicht haben. Technische Probleme lösen ist schon kräftezehrend genug.

 

Honorar für Ingenieure

Hintergrund
Vor einigen Tagen hatte ich die Frage bezüglich der Höhe des Honorars von einem jungen Ingenieur, der gerade dabei ist, ein Ingenieurbüro zu gründen. Viele Ingenieure wissen nicht, dass das Honorar für Ingenieure gesetzlich geregelt ist, um Dumpingpreise zu verhindern. Die sächsische Ingenieurkammer hat hierzu einen schönen Artikel in ihrer in der Septemberausgabe 2010 der Zeitschrift „Sachsen. Land der Ingenieure“ veröffentlicht. Aus einer Statistik, die dort veröffentlicht ist geht hervor, dass sich das durchschnittliche Honorar für Ingenieurbüros bei ca 60€/h bewegt. Dabei fällt auf, dass die Gruppe der Einzelunternehmer mit 37€/h besonders niedrig bezahlt wird. Ich persönlich vermute, dass die Gruppe der Einzelunternehmer wenig Projekte parallel bearbeiten kann und deshalb nur schwer schlecht bezahlte Aufträge abschlagen kann.

Interessant ist auch noch ein Faltblatt der Architektenkammer Berlin aus dem Jahr 2012

Bezahlung nach jeder Projektphase
Ein Auftrag oder ein Projekt untergliedert sich nach HOAI in folgende Projektphasen:

  1. Grundlagenermittlung
  2. Vorplanung, Planungsvorbereitung
  3. Entwurfsplanung, System- und Integrationsplanung
  4. Genehmigungsplanung
  5. Ausführungsplanung
  6. Vorbereitung der Vergabe
  7. Mitwirkung bei der Vergabe
  8. Objektüberwachung und Bauüberwachung
  9. Objektbetreuung, Dokumentation

Alle diese Projektphasen müssen gleich nach Abschluss der einzelnen Projektphasen vom Auftraggeber bezahlt werden. Ich rate jedem Ingenieur davon ab, sich erst nach Ende des gesamten Projekts, sprich Phase 9 bezahlen zu lassen. Das führt dazu, dass es während der Auftragsausführung selbst am Essen im Kühlschrank mangelt.

Eine kurze Schätzung
Meiner Erfahrung nach arbeitet ein freiberuflicher Ingenieur ca 20 .. 30 h/Woche direkt an Kundenaufträgen. Der Rest der Zeit ist notwendig für den Unterhalt des eigenen Ingenieurbüros, inklusive Organisation, Buchhaltung, Erholungstage, Weiterbildung, Netzwerkpflege und der Pflege der eigenen Ressourcen.

Angenommen, ein Ingenieur benötigt Einnahmen in Höhe von 2500 €/Monat für den Unterhalt seines Ingenieurbüros. Angenommen, er arbeitet 40 h/Woche, davon ca 20 .. 30 h/Woche konkret für Kundenaufträge. Der Ingenieur aus dem Beispiel müsste ein Stundenhonorar von 20,83 .. 31,25 €/h verlangen, damit er gerade so überleben kann. Dabei darf kein unvorhergesehenes Ereignis wie eine längere Krankheit oder irgendein Fehler vorkommen. Ein Ingenieur, der dieses scheinbare Mindesthonorar verlangt, lebt auf Kosten seiner Zukunft, ohne dass er es zum jetzigen Zeitpunkt merkt. Erst wenn ein Ingenieur ein höheres Honorar verlangt, kann er Rücklagen für außergewöhnliche Belastungen und für das Rentenalter bilden. Ich kenne Ingenieure, die im Rentenalter noch arbeiten müssen, oder die sich nicht einmal eine ordentliche zahnärztliche Behandlung leisten können, weil sie ihr ganzes Berufsleben lang keine Rücklagen zur Seite legen konnten. Diese Ingenieure dienen mir immer als warnendes Beispiel.

Meiner Erfahrung nach benötigt ein Ingenieur für den Unterhalt seines Ingenieurbüros mindestens 3200 € /Monat (Stand 21.04.2013). Das Bedeutet bei einer Wochenarbeitszeit von 20 .. 30 h/Woche ein Mindesthonorar von 26,60 .. 40,00 €/h. Mit diesem Honorar kann ein Ingenieur dann von der Hand in den Mund leben, wenn er für seine Arbeit lebt und nicht irgendwelche „Freizeitaktivitäten“ vor hat wie, z.B. irgendwann einmal eine Familie mit Frau und Kind zu gründen. Auch reicht dieses Honorar nicht, um eine längere Auftragsflaute überstehen zu können. Auch muss dieser Ingenieur sich in der Steuererklärung so arm rechnen, dass er kaum Einkommensteuer bezahlt.

Wird eine Einkommensteuer von ca 20 % angenommen, so ist ein monatliches Honorar von ca. 3840 €/Monat notwendig. Das Bedeutet bei einer Wochenarbeitszeit von 20 .. 30 h/Woche ein Honorar von 32 .. 48 €/h.

Meiner Erfahrung nach ist ein Honorar von ca. 55 €/h ein Honorar, von dem man bescheiden und dennoch gut leben kann. (Stand 21.04.2013)  Zu beachten ist hierbei, dass bei einer jährlichen Inflation  von 3% das Honorar jedes Jahr mit dem Faktor 1,03 multipliziert werden muss. Das Honorar muss von Jahr zu Jahr steigen:
55.00 €/h; 56,65 €/h; 58,35 €/h; 60,10 €/h; 61,92 €/h; 63,76 €/h; 65,67 €/h; 67,64 €/h; 69,67 €/h; 71,76 €/h.

Kosten für den Betrieb eines Ingenieurbüros

  • Wohnung
  • Strom
  • Wasser
  • Essen
  • Kleidung
  • Alltagsgegenstände wie Möbel, Haushaltsgeräte etc.
  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Krankenversicherung, Krankenzusatzversicherung
  • Rentenversicherung
  • Hausratversicherung
  • Telefonkosten Mobiltelefon
  • Internetanschluss
  • Webseite
  • Kosten für Messen und Tagungen
  • Abschreibung für Computer, Messgeräte, Werkzeuge, Arbeitsmaterialien
  • Fahrkosten für die Erledigung von Aufträgen
  • Fahrtkosten für die Netzwerkpflege
  • Fahrzeugkosten
  • Reisekosten
  • Fachliteratur
  • Kammerbeiträge
  • Vereinsbeiträge
  • Spenden
  • Buchhaltung
  • Steuerberater
  • Bürodienstleistungen
  • Vorfinanzierung neuer Projekte
  • Ausbügeln von Fehlern
  • Fehlinvestitionen
  • Krankentage, Urlaubstage
  • Rücklagen für unvorhersehbare Ereignisse
  • Rundfunkzwangsbeitrag (GEZ) soweit nicht durch Boykott abwendbar


Dumpingpreise boykottieren

Ingenieure müssen Aufträge boykottieren, die mit einem nicht ausreichenden Honorar bezahlt werden. Ich kannte Ingenieure, die ihr Honorar aus Angst bis ins bodenlose herunter drücken ließen, nur weil ein Geldgeber mit seiner Krawatte und seinem Anzug damit gedroht hat, dass es nun mal keine anderen Aufträge gibt. Diesen Ingenieuren möchte ich gerne eine eine andere Bedrohung nennen, damit sie, wenn nicht durch Mut, wenigstens durch Angst ein angemessenes Honorar verlangen.  Wenn die Schulden bei der Bank steigen, wird die Bank auf jeden Fall bedrohlicher als irgendein Auftraggeber. Das merkt man dann, wenn man etwas zu Essen kaufen möchte und das Konto gesperrt ist. Hunger zu leiden, ist eine sehr interessante Erfahrung. Wenn man sich aus Geldmangel keinen Arztbesuch leisten kann, kann ein Kranker Körper auch sehr bedrohlich wirken. Ein Zahn, der dringend eine Wurzelfüllung braucht, aber nur mit Zement provisorisch geflickt ist und stinkt, wenn er fault, ist auch eine sehr interessante Erfahrung.

Wenn die HOAI von politischer Seite her ausgehöhlt wird, wie zum Beispiel durch die Abschaffung des Zeithonorars, muss der Boykott von unterbezahlten Aufträgen durch die Ingenieure als tragfähige Säule für angemessene Honorare wachsen. Man kann nicht verlangen, das jeder Ingenieur mutig ist, aber die Angst vor schleichender Armut sollte als Triebfeder genügen.