Neue Arbeit – neue Kultur

Gleich am Anfang möchte ich zwei Zitate nennen, die Gedanken beinhalten, die für die Realisierung der neuen Arbeit auch meiner Sicht entscheidend sind.

Arbeit kann uns verkrüppeln und uns sogar umbringen, aber das ist nur eine Möglichkeit. Arbeit vermag uns auch Energien zu schenken, die zu besitzen wir uns hätten nie träumen lassen.“ (Fritjof Bergmann)

Die einzige Philosopie, die ich von euch hören möchte, ist die des kleinen wachsenden Samenkorns. (Sun Bear)

  • Die zunehmende Automatisierung in der Wirtschaft führt dazu, dass Menschen für den Produktionsprozess immer weniger gebraucht werden. Das führt wiederum zu Arbeitslosigkeit, zu Armut und somit zu Gewalt und zur Zerstörung der Umwelt. Unsere heutigen Technologien sind in der Lage, die Menschen problemlos mit allem zu versorgen, was sie zum Leben brauchen. Dabei hat die Automatisierung erst gerade begonnen. Leider sind unsere Technologien zur Zeit so gestaltet, dass sie nur einigen wenigen Menschen gehören. Es ist mehr als genug für alle da, aber die meisten Menschen können sich das, was sie brauchen nicht leisten. Das Problem besteht darin, dass unser Einkommen meist an eine Lohnarbeit gekoppelt ist, die zunehmend nicht mehr gebraucht wird. Dieses Problem könnte durch ein bedingungsloses Grundeinkommen jederzeit spielend gelöst werden, aber es ist unwahrscheinlich, dass die herrschenden Eliten einem Bedingungslosen Grundeinkommen zustimmen würden. Deshalb soll das Konzept der „Neuen Arbeit“ hier Abhilfe schaffen, da es hier und jetzt für jeden, der es möchte, umgesetzt werden kann, ohne dass irgendwelche Eliten damit einverstanden sein müssen.
  • Der Begriff der „Neuen Arbeit“ geht auf Prof. Frithjof Bergmann zurück und gründet sich auf drei Gedanken:
    • Die Erwerbsarbeit nimmt nur noch einen kleinen Teil der Lebenszeit ein. Aus der Erwerbsarbeit wird der Teil der Bedürfnisse finanziert, die nicht selbst innerhalb des Kooperationsnetzwerks hergestellt werden können.
    • Die Technologie befähigt den einzelnen Menschen die Dinge, die er zum Leben braucht, auf technologisch hohem Niveau selbst herzustellen. Eine wesentliche Basis der neuen Arbeit ist eine Technologie, die es den Menschen ermöglicht, die Dinge, die sie zum Leben brauchen selbst herzustellen. Ein Beispiel dafür ist die Idee des Fabricators, der vergleichbar mit einem 3D-Drucker ist, wie er im Rapid Prototyping verwendet wird.
    • Die Arbeitszeit gliedert sich in drei Teile: 1/3 herkömmliche Erwerbsarbeit, 1/3 High-Tech Eigenproduktion und 1/3 was der einzelne wirklich, wirklich will.
  • Ein wesentliches Ziel der neuen Arbeit ist nicht nur die Schaffung von materieller Unabhängigkeit sondern auch die seelische Bereicherung des eigenen Lebens. Frithjof Bergmann definiert hier den Begriff des „Wirklich, Wirklich Wollens“ als wesentlichen Teil der „Neuen Arbeit“ und der „Neuen Kultur“. Das, was man wirklich, wirklich will zu finden ist äußerst schwer und für jeden Menschen verschieden. Die Suche nach dem, was man wirklich, wirklich will, kann dadurch begonnen werden, indem man in die nahe Vergangenheit zurückblickt und nach einem Moment sucht, in dem man etwas wirklich mit Leidenschaft getan hat. Wann ist ein Mensch das letzte Mal zum Beispiel vor Wut oder Begeisterung so richtig die Wände hoch gegangen? Die Suche nach diesen Momenten kann einen Hinweis darauf geben, was ein Mensch wirklich, wirklich will.
  • Ein weiterer wesentlicher Schritt ist die Entwicklung von Technologien, mit denen in miniaturisierter Form geschlossene Recyclingkreisläufe umgesetzt werden können. Das geschieht einerseits durch die Entwicklung von Maschinen, die aus gebrauchten Teilen neue Halbzeuge herstellen, zum Anderen kann durch die Wahl gut recycelbarer Werkstoffe der Recyclingprozess erleichter werden.
  • Jede Realisierung der neuen Arbeit sollte stets klein beginnen und dann Schritt für Schritt wachsen. Genaueres ist im Artikel „Methode der Selbstfinanzierung“ beschrieben.
  • Der beste Weg, um die neue Arbeit voran zu bringen ist, selbst zu versuchen, ein Produkt mit Hilfe eines freien CAD-Programms und den Ressourcen einer nahegelegenen FabLab-Werkstatt herzustellen, oder es zumindest im eigenen sozialen Netzwerk zu kaufen. Jedes mal, wenn man mit dem Gedanken spielt, etwas im Supermarkt zu kaufen, sollte man sich fragen, ob man das gewünschte Produkt nicht auch über freie Werkstätten oder im sozialen Netzwerk beschaffen kann. Hier werden die Grenzen der verfügbaren Ressourcen und Methoden schnell spürbar. Auf diese Weise werden die Probleme, an denen die neue Arbeit im Moment scheitert, schnell sichtbar und können gelöst werden. Ein weiterer Nebeneffekt dabei ist, dass im Zuge dessen soziale Kontakte geknüpft werden, die für neue parallele Wirtschaftskreisläufe sehr wichtig sind.
  • Die erarbeiteten Methoden sollen in vorhandene oder bestehende freie DIY (Do It Yourself) Datenbanken der Öffentlichkeit unter der Creative Commons Lizenz zu Verfügung gestellt werden.

Mehr zur „neuen Arbeit“ ist in dem Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ von Frithjof Bergmann zu finden